Architektur

Ein kleiner Naturweg führt östlich des Kurhauses zur Kapelle hinunter, die bewusst etwas abseits, eingebettet am Waldrand des „Göiferlätsch“, mit prächtiger Aussicht auf das Aaretal und die Alpen dasteht. Einfachheit und die Verwendung natürlicher Baustoffe standen bei der Planung im Vordergrund. Die Kapelle ist ein Einraumbau mit axialem Grundriss. Ostwärts ist ein kleiner Chor mit dem Turmaufbau angefügt. Hauptgestaltungselemente sind das Dach als markantes Schutzelement und die massiven Umfassungswände in Naturstein. Die Westfassade dient als Kulisse. Sie wird von einem grossen, den Eingangsbereich überdeckenden Vordach überragt, weshalb auch Gottesdienste im Freien stattfinden können.

Das Innere der Kapelle ist einfach gehalten. Hauptakzente setzen der gegen den Chor gerichtete Andachtsraum und das Spiel des aus dem Turm und Glockenträger verdeckt einfallenden Lichts. Der Lichteinfall ist bewusst sparsam, indirekt, durch den Turm und das über der Eingangstüre nachträglich (1991) eingesetzte Glas-Betonfenster des Solothurner Künstlers Max Brunner. Dominierende Materialien sind der Fussboden aus Natursteinplatten, weiss getünchte Wände, das Holz der Deckenschalung und die einfachen Holzstühle im Andachtsraum. Im Zentrum des Chors steht der als einfacher Holztisch ausgestaltete Altar. Blickfang im Chor ist das grosse schmiedeeiserne, von einem Solothurner Unternehmer gestiftete, Kreuz. Daneben steht eine aus Holz geschnitzte Statue des Kirchenpatrons Bruder Klaus. Ebenfalls an Bruder Klaus erinnert der Wandteppich hinten rechts im Andachtsraum. Die Wappen aller solothurnischen Gemeinden auf der Innenseite der Eingangstüre sowie - auf dem Vorplatz zur Kapelle - Mosaiken mit den Bezirks- und dem Standeswappen unterstreichen die von Bruder Klaus an der Tagsatzung zu Stans 1481 eingenommene Haltung der Einheit in der Vielfalt.

Der mittlerweile verstorbene Künstler Max Brunner (1910-2007) beschrieb das von der Coop Solothurn-Wasseramt anlässlich ihres 100-Jahr-Jubiläums im Jahre 1991 gestiftete Glasfenster wie folgt: «Die Kapelle wurde 1981 gebaut, im Jubeljahr des Eintritts des Standes Solothurn in den Bund. Der Rat des Heiligen fand 500 Jahre vorher im Stanser Verkommnis seinen Niederschlag. Freiburg und Solothurn wurden vollwertige Glieder der Eidgenossenschaft. Das Gedenkjahr war dann auch der Auslöser zum Bau des Gotteshauses auf dem Weissenstein. Da mit der Statue im Chor und dem Teppich im Schiff der Heilige als Gestalt bereits zweifach präsent ist, finde ich es zwingend, dass daneben das staatsmännische Wirken des Niklaus von der Flüe zur Darstellung kommt. Dies kann mit Hilfe von Symbolen geschehen, die dem modernen Bau Rechnung tragen. Das durch Stützen in vier Trapeze aufgeteilte Giebelfeld zeigt in der Achse links die Standesfarben Schwarz-Weiss (Fribourg) und rechts davon Rot-Weiss (Solothurn), belegt mit einem verbindenden Spiralband. Dieses, im Schwarz und Rot-Weiss erscheinende Bildelement, wechselt in den beiden untern Feldern kreuzweise von Rot zu Schwarz und stellt so das optische Gleichgewicht her. Die Bewegung der Spirale läuft von links nach rechts. Das Band wird von einem schmalen blauen Streifen gesäumt und begleitet. Im Zentrum findet die Umkehrung statt. Das Blau wechselt auf Grün, die Spiralbewegung läuft nach rechts weiter. Die Spirale ist das Symbol des “In-Sich-Gehens“, Meditation. Niklaus von der Flüe, vormaliger Staatsmann und militärischer Führer, verharrte aber nicht im Versenken. Die Umkehrung der Spirale mündet in die äussere Welt mit ihren Anforderungen. Die links und rechts der Mittelfelder liegenden beiden Zwickel zeigen den geöffneten Hag, Darstellung der Empfehlung des Einsiedlers an die Herren der Tagsatzung: „Machet den Hag nicht zu weit.“ Im Hinblick auf die für die Schweiz anstehenden Probleme mit der Schaffung eines Europäischen Wirtschaftsraumes und dem möglichen Beitritt zur Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft (EWG) steht die Mahnung schicksalshaft im Raum.»